Zylinderförmige, grüne Samtdosen mit eingestickter Beschriftung "Manschetten" und "Kragen"
Manschetten- und Kragendose, um 1900, Pappe, Samt, Seide und Metall, Dm: 15 cm, H: 15 cm; Dm: 15 cm, H: 10 cm, Sammlung Museum Neukölln

 

Kragen und Manschetten:

Der Schmuck der Herren

Beim Anblick dieser hübschen samtbezogenen und bestickten Dosen fragt sich der und die heutige Betrachter*in, welch kostbare Kragen und Manschetten wohl in ihnen aufbewahrt wurden. Der Inhalt war jedoch profan. In unserem Fall handelt es sich um einen Stehkragen im englischen Stil mit umgebogenen Ecken aus wasserdichtem Material.

Herrenhemden waren vom späten 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts kragenlos. Das Hemd zählte zur Unterwäsche, man sah nur den Kragen und die Manschetten. Ein reinweißes Hemd zeigte an, dass der Träger keine schmutzige körperliche Arbeit verrichten musste. Da die Wäschepflege vor der Erfindung der Waschmaschine ein mühsames Unterfangen war, konnte sich nur eine sehr wohlhabende Klientel einen großen Hemdenvorrat mit festangenähten Kragen und Manschetten leisten. Männer, die sich trotz geringer Finanzkraft dem Ideal des Herren annähern wollten, bedienten sich anknöpfbarer Kragen und Manschetten, die man häufig wechseln und der jeweiligen Mode anpassen konnte. Waren diese aus Leinen oder Baumwolle, dann mussten sie nach der Wäsche gestärkt und gebügelt werden. Praktischer waren da schon Ersatzmaterialien:

„Sie besitzen den Vortheil, daß man sie bei täglichem Gebrauch 5-6 Monate tragen kann. Man reinigt dieselben in kaltem Wasser und bedient sich bei starkem Schmutz eines Bürstchens mit etwas Seife, trocknet den Gegenstand mit einem Handtuche und der Kragen oder die Manschette ist sofort wieder wie gewaschen und gebügelt.“ heißt es in einer Werbung von 1882.

Die gestärkten und gebügelten Kragen und Manschetten mussten natürlich vor dem Zerdrücken geschützt werden. Man bewahrte sie deshalb in hufeisenförmigen Dosen oder rechteckigen Kästen auf.