„Mit den Händen für die Hände“

Der Handschuhmacher

Das Halbmondmesser, der Lederschaber und die Mustervorlagen sind die Werkzeuge eines Handschuhmachers. Obwohl Handschuhe aus ganz verschiedenen Stoffen wie Pelz, Seide oder Filz hergestellt werden können, ist das Leder das bevorzugte Material eines traditionellen Handschuhmachers. Jedes Paar Handschuhe muss individuell auf den oder die Träger*in angepasst werden und auf die jeweiligen Wünsche. Der Handschuhmacher erstellt eine Mustervorlage, auf Grundlage der individuellen Maße des zukünftigen Trägers. Das ausgewählte Leder wird mit dem Lederschaber geglättet und schließlich mithilfe des Halbmondmessers und der Vorlage zurechtgeschnitten. Obwohl bei der Herstellung von Handschuhen ein ohnehin schon eher weicheres und dünneres Leder verwendet wird, muss das Leder noch gedehnt werden. So wird vermieden, dass die Beweglichkeit der Finger eingeschränkt wird und die Handschuhe ungemütlich steif sind.

Eine Gruppe Männer in Arbeitskleidung in einer Lederwerkstatt, im Vordergrund Handschuhschablonen
Lehrlinge und Gesellen in der Werkstatt eines Handschuhmachers, um 1920, links unten im Bild: Mustervorlagen für Handschuhe, Foto: Museum Neukölln

 Leder wird seit Jahrtausenden vom Menschen verwendet, um sich vor äußeren Einflüssen zu schützen. Auch Handschuhe wurden schon früh als Gebrauchsgegenstände genutzt. Der Beruf des professionellen Handschuhmachers erlebte jedoch erst im 19. Jahrhundert seine Blütezeit. Damals wurde ein Großteil der getragenen Handschuhe in mühsamer Arbeit handgefertigt. Handschuhe dienten nicht mehr nur, um sich gegen Kälte oder Schmutz zu schützen, sondern avancierten auch bei Männern wieder zum modischen Accessoire und waren wichtiger Bestandsteil von Berufsuniformen. Heute werden Handschuhe fast ausschließlich maschinell hergestellt, seit dem 26. Februar 2011 wird der Beruf Handschuhmacher nicht länger zu den offiziellen Ausbildungsberufen gezählt. In den letzten 15 Jahren davor wurden nicht mehr als vier Handschuhmacher offiziell ausgebildet. Heute gibt es noch einige Lederwarenwerkstätten, die neben anderen Kleinlederwaren auch Handschuhe herstellen, aber Handwerker*innen, die sich nur auf Handschuhe konzentrieren, gibt es kaum noch.