ovales, in blech gefasstes, rotsamtenes Nadelkissen mit goldfarbenem Fingerhut und Stecknadeln
Nadelkissen mit Nadeln und Fingerhut, um 1920, Blech und Samt, 9 x 5 x 3,5 cm, Sammlung Museum Neukölln
Holzstab mit Skala zum Abmessen von Stoff mit gedrechseltem Handgriff und Band zum Aufhängen
Elle, um 1920, Holz, L: 81 cm, Sammlung Museum Neukölln

 

Kleider machen Leute und Schneider machen Kleider 

Nadelkissen, Fingerhut und Elle gehören zum typischen Handwerkszeug einer Schneiderin oder eines Schneiders. Mit der Elle wird aus dem Tuchballen ein Stück Stoff in der richtigen Länge abgemessen. Mit Stecknadeln steckt man die Stoffteile zusammen, dabei schützt der Fingerhut vor Nadelstichen. Ab dem 19. Jahrhundert ersetzt die Nähmaschine nach und nach das Arbeiten das Nähen von Hand. Doch Nadeln, Faden, Maßband, Elle und Schere sind nach wie vor die wichtigsten Hilfsmittel im Schneiderhandwerk.

Schneiderin und Schneider ist ein handwerklicher Lehrberuf der Textilverarbeitung mit der Aufgabe, Textilien zu Bekleidung zu verarbeiten. Dabei wird zwischen Maßschneider*in und Textil- und Modeschneider*in unterschieden. Für beide Berufe ist jeweils eine dreijährige Lehrzeit zu absolvieren.

Im 19. Jahrhundert fand eine Differenzierung in Damen- und Herrenschneider statt. Mit der Industrialisierung entwickelte sich aber auch die Produktion der massenhaft produzierten „Konfektion von der Stange“ – die heutzutage meist in Ländern mit niedrigen Lohnkosten und Arbeitsschutzregelungen, u. a. China und Pakistan, stattfindet. In der Folge entstanden im 20. Jahrhundert neue kreative Berufszweige wie Modedesigner und Modeschneider. Obgleich zahlenmäßig immer weniger geworden, findet man aber auch bis heute die traditionelle Maßschneiderei, die auf besondere Ausführungs- oder Stoffwünsche eingehen kann. Auch Maße, die von den Normgrößen abweichen, berücksichtigt die Maßschneider*in. Daneben gibt es auch sogenannte Änderungsschneider, die keine Kleidung neu herstellen, sondern lediglich abändern oder ausbessern.

Wer sich heute für die Ausbildung zum Maßschneider entscheidet, kann sich nach nur zwei Jahren Ausbildungszeit bereits Änderungsschneider*in nennen. Im letzten Jahr entscheidet man sich dann zwischen Damen- oder Herrenmode. Der oder die Auszubildende muss sich mit einem bescheidenen Verdienst zufriedengeben, im ersten Lehrjahr sind es 275 Euro, im letzten Jahr 325 Euro. Maßschneider*innen sollten kreativ sein, ein Gefühl für Mode haben sowie ein gutes Händchen im Umgang mit Menschen.