Autositz mit schwarzem Kunstlederbezug, die Hälfte des Sitzes ist mit transparentem Kunststoff bezogen, um die innenliegende Polsterung sichbar zu machenrung
Autositz mit gestepptem, schwarzem Kunstlederbezug, 2019, Metall, Schaumstoff, Kunststoff, Kunstleder, 104 x 56 x 64 cm, Leihgabe G & W Autosattlerei

Mit Nähmaschine und Berufsehre:

die G & W Autosattlerei 

In einem individuell gepolsterten Autositz steckt viel Handarbeit. Zunächst werden Schnittmuster erstellt und das passende Material ausgesucht. Für den Aufbau der Polsterung und die Anfertigung des Bezugs kommen verschiedenste Werkzeuge und Techniken zum Einsatz, an schweren Arm- oder Flachnähmaschinen wird das Material zusammengefügt und mit Loch-, Stanz- oder Schlagwerkzeugen bearbeitet. Hier sind handwerkliches Geschick, aber auch Kraft und sicherer Umgang mit Maßen und Zahlen gefragt. Wie detailgenau gearbeitet werden muss, wird am ausgestellten Sitz sichtbar. Um Einblick in den Aufbau seines Innenlebens zu gewähren, wurde der Sitz zur Hälfte mit transparentem Kunststoff bezogen.

Im Automobilbereich gibt es besondere Ansprüche an die Gestaltung und Qualität der Polsterung. Insbesondere für Autoliebhaber*innen und Oldtimerbesitzer*innen ist so der Sattlerberuf unverzichtbar. Schließlich ist das Interieur maßgeblich für die Individualisierung und den Wert eines Fahrzeugs. Die Fahrzeugsattlerei stattet auch den kompletten Fahrzeuginnenraum, vom Teppich über Türverkleidungen bis hin den Sitzen aus, fertigt Verdecke sowie Faltdächer und bietet vielfältige Restaurierungen an.

„Wir bilden aus, um den Betrieb zu führen und nicht, um für drei Jahre billige Arbeitskräfte zu haben.“

Sascha Grabowski und Lothar Wiemann, 2019, Foto: Lukas Fischer

Die G & W Autosattlerei in Alt-Buckow besteht seit 1968. Die Sattlermeister Sascha Grabowski und Lothar Wiemann führen den etablierten Betrieb mit einem festen Kundenstamm. Die Aufhebung des Meisterzwanges für sein Gewerk sieht Sascha Grabowski kritisch und zeigt sich besorgt um die Qualität der Ausbildung. Für ihn war der Besuch der Meisterschule eine wichtige Zeit, in der er seine handwerklichen Fertigkeiten erweitern, einen Berufsethos entwickeln und Kontakte aufbauen konnte. Sascha Grabowski ist im Gesellenprüfungsausschuss der Sattlerinnung tätig und beobachtet den Trend der letzten Jahre. Es fehle an Nachwuchs und oft auch an Qualität, bemerkt er. Der technische Fortschritt im Autobau und damit das Innenleben eines Autositzes werden immer komplexer, zum Beispiel durch den zunehmenden Einbau von Airbags. Das bringt Veränderungen für den Fahrzeugsattlerberuf nach sich.

In der G & W Sattlerei wird die Qualität der Ausbildung großgeschrieben. Die drei festangestellten Mitarbeiter wurden allesamt im Buckower Betrieb ausgebildet. Insgesamt hat Sascha Grabowski schon sieben Gesellen ausgebildet. Wer Interesse an Fahrzeugen, unterschiedlichen Stoffen und die nötige Fingerfertigkeit im Umgang mit Nadel und Faden bzw. der Nähmaschine hat, ist im Sattlereigewerbe richtig.

Der Beruf der/s Sattler*in ist vielfältig. Neben der Fahrzeugsattlerei gibt es noch die Spezialisierung des Sport- und Pferdesattlers, des Bootssattlers und des Feintäschners. Ausbildungsberufe ähnlicher Art sind Polsterer und Dekorateur, die sich mit der Bearbeitung von Möbeln bzw. ganzen Innenräumen beschäftigen.