Marmorplatte mit Aufschrift Schrift Kunst 2019 in Bleischrifttechnik
Marmorplatte mit verschiedenen Arbeitsschritten einer Bleischrift, 2019, 50 x 50 x 4 cm, Leihgabe Grabmale Schmidt
Grabstein mit der Inschrift "Und ewiges Licht leuchtete ihnen"

Grabstein,1964, Kalkstein, 108 x 54 x 17 cm, Leihgabe Grabmale Schmidt

Steingewordene Erinnerung:

Grabmale Schmidt

Mit den Fingern kann man die Schwünge der Buchstaben nachfahren, die deutlich aus dem rauen Steinblock heraustreten, jeder einzelne von ihnen mit der Hand aus dem Stein gehauen. Dieses Gesellenstück von Eberhard Damerau, heute Inhaber von Grabmale Schmidt in der Hermannstraße, belegt die Fähigkeiten, die Steinmetz*innen erwerben müssen. Das beginnt mit einer gestalterischen Idee, deren professioneller Umsetzung, geht weiter mit der Steinauswahl und sorgfältigen Bearbeitung bis hin zu den akkurat herausgearbeiteten Buchstaben, die alle genau an ihrem Platz sitzen. Eberhard Damerau hat viele Steine mit der Hand, mit Klüpfel und Meißel, bearbeitet, bevor die Presslufttechnik die Arbeit erleichterte.

Die Arbeitsschritte für das Anfertigen einer Bleischrift sind auf der gezeigten Steinplatte zu sehen. Erst werden die genaue Lage und Form markiert, dann Vertiefungen eingraviert, die mit kleinen Bohrungen versehen werden, damit das Blei mit dem Stein verbunden werden kann. Dann wird das Blei aufgebracht und mit speziellem Werkzeug in Form getrieben.

„Wie es aussieht, werde ich die 60 Jahre in meinem Handwerk noch vollmachen.“

Er arbeitet schon seit 1961 im Betrieb, hat 1983 seinen Meistergrad erlangt und im Jahr 2000 den Betrieb übernommen. Im Laufe dieser Zeit hat sich viel verändert, den Wandel der Bestattungskultur nimmt er sehr deutlich wahr. Es würden immer weniger aufwendige Grabsteine verlangt und auch der Pflege der Gräber und der Tradition der Trauerfeierlichkeiten käme immer weniger Bedeutung zu. Gleichzeitig gibt es immer mehr anonyme Beisetzungen, in Berlin liegt ihr Anteil schon bei knapp der Hälfte aller Bestattungen. Das liege daran, dass die Angehörigen immer weniger Grabpflege übernehmen möchten, findet Eberhard Damerau. Manchmal werde eine solche anonyme Beisetzung auch auf den zu Lebzeiten geäußerten Wunsch der Person veranlasst, oft weil die Person niemandem zur Last fallen möchte. Die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien zum Wandel der Bestattungskultur decken sich mit Eberhard Dameraus Beobachtungen.

Eberhard Damerau, 2019, Foto: Thierry Caron

Er bedauert diese Entwicklung, weil damit ein wichtiger Teil unserer Kultur verloren ginge und weil auch die Arbeit des Steinmetzes dadurch eintöniger und bedeutungsloser würde. Bei den sehr verbreiteten Urnenbeisetzungen werden die Steinplatten von den Friedhofsverwaltungen normiert und vorbereitet, so dass für die Steinmetze nur noch bleibt, die Inschrift mit Namen und Datum in festgelegter Schrift anzufertigen.

Dabei bietet Schmidt Grabmale eine breite Palette an Leistungen an, von der ausführlichen Beratung bis zur individuellen Gestaltung von Natursteinen mit Blei- und Bronzeschriften und detailreichen Gravuren. Auch beim Rohmaterial hat sich einiges verändert, heute kommen die Grabsteine fertig poliert aus Indien und sind ab 120 Euro zu haben. Wenn Eberhard Damerau einen Rohstein mit der Hand so weit bearbeitet, fallen höhere Kosten an.

Auch seine Tochter hat das Steinmetzhandwerk gelernt und hilft im Betrieb, in dem ein weiterer Geselle beschäftigt ist. Die Zukunft des Betriebes ist ungewiss, aber eines ist klar: Eberhard Damerau hat in seinem langen Arbeitsleben unzählige Erinnerungen an Menschen in Stein gemeißelt.