Wärme und Ornament:

Ofenkacheln und Kachelöfen 

Diese Sammlung an Musterkacheln stammt aus dem Besitz eines Neuköllner Ofensetzers. Nach seinem Tod übergab die Witwe die insgesamt 197 Kacheln in den 1980er-Jahren dem Museum Neukölln. Sämtliche Kacheln wurden in Velten hergestellt. Velten in Brandenburg ist berühmt für seine Ofen- und Kachelindustrie. Grund dafür sind die westlich der Stadt gelegenen Tonvorkommen. Bereits 1835 wurde hier die erste Ofenkachelfabrik erbaut. Veltener Ofenkacheln wurden natürlich auch in der wachsenden Großstadt Berlin verbaut. Der Kachelofen entwickelte sich bereits im 14. Jahrhundert. Durch die gebrannten Steine war eine bessere Wärmeabgabe möglich. Holz war der Hauptbrennstoff, im Laufe der Jahrhunderte ergänzt durch Torf und schließlich Kohle. Bis ins 19. Jahrhunderte hinein dominierte in Wohnhäusern der Kachelofen, um die Räume warmzuhalten. Die Zentralheizung, wie wir sie heute kennenverbreitete sich überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg, einhergehend mit der Umstellung der Beheizung auf Öl oder Gas. 

Ofenkacheln bestehen aus gebranntem Ton, sie zählen daher zur Keramik. Aus den Kacheln setzt der Ofenbauer den Kachelofen. Der Ofen kann mehrere Funktionen übernehmen: an erster Stelle natürlich das Erwärmen von Räumen. Aber gleichzeitig kann man auf dem Ofen die Wäsche trocknen und im Ofen Speisen warmhalten. Mit besonders aufwendig verzierten Kacheln dient der Ofen auch zu repräsentativen Zwecken. Die Kacheln unterliegen wie Bilder, Tapeten oder anderer Wandschmuck dem Wandel der Mode. Verschiedene Farben und Muster sind zu unterschiedlichen Zeiten beliebt. Einige Musterkacheln zeigen beispielsweise florale Muster und Ornamente, wie sie für den Jugendstil typisch sind. 

 

In manchen Berliner Altbau-Wohnungen findet man bis heute noch einen Kachelofen, jedoch sind diese nicht mehr die Hauptwärmequelle. Das Einheizen mit Kohle ist mühsam und geht mit Staubbelastung einherFür Berlin geht der Mikrozensus des Bundesamtes für Statistik von 2014 von rund 12000 Wohnungen aus, die mit Kohle beheizt werden, Tendenz sinkend. Das spiegelt sich auch in der abnehmenden Zahl von Kohlehändlern ab, die vor hundert Jahren noch das Stadtbild mitprägten.