Detail, Konstruktionszeichnung, Ende 1960er-Jahre, Papier, Leihgabe Baudach Kamine

 

Baudach Kamine:

Ein Handwerk für Wärme und Behaglichkeit 

Die Zeichnung des Kachelofens ist ein Detail aus den Plänen, die seit etwa 1972 in der Werkstatt von Günter Weise hängen. In jenem Jahr erlangte er seinen Meistergrad. Begonnen hatte er seine Ausbildung 1948 mit 14 Jahren in einem Betrieb im Prenzlauer Berg. Damals hieß sein Beruf noch Ofensetzer. Heute bezeichnet man ihn als Kachelofenbauer oder Ofen- und Luftheizungsbauer. Als in Berlin 1961 die Mauer gebaut wurde, wechselte Günter Weise in einen Neuköllner Betrieb. Bei der Firma Baudach fing er 1966 an. Bereits damals war Baudach GmbH & Co. KG ein Traditionsbetrieb.

Gegründet 1907, feierte das Unternehmen im vorletzten Jahr seinen 110ten Geburtstag. Über einen so langen Zeitraum hinweg hat sich vieles verändert, nicht nur die Berufsbezeichnung. Statt klassischer Kachelöfen werden heute häufig industriell hergestellte Öfen eingebaut, eine Tätigkeit, die Günter Weise als nicht sehr anspruchsvoll empfindet. Stattdessen hat er sich auf die Sanierung von Öfen in Altbauten spezialisiert. Dabei versucht er, so viel wie möglich von der ursprünglichen Substanz zu erhalten. Bei Renovierungen wird der Ofen abgetragen, eingelagert und in Absprache mit den Besitzer*innen wieder aufgebaut. 

„Das Wissen um die alte Kunst des Ofensetzerhandwerks gerät langsam in Vergessenheit.“  

Grundsätzlich ist die Kommunikation mit den Kund*innen sehr wichtig in seinem Geschäft. Wer Haus oder Wohnung mit einem Ofen ausstatten möchte, steht vor keiner leichten Entscheidung. Denn schließlich geht es darum, Feuer in die eigenen vier Wände zu holen und damit Wärme und Behaglichkeit zu schaffen. Es muss genau überlegt werden, welcher Ofentyp, welche Materialien, welche Größe und Form in Frage kommen. In diesen Dingen hilft Günter Weise gerne weiter. Davon kündet auch seine Werkstatt, in der zahlreiche Modelle der unterschiedlichsten Öfen stehen. Und auch die vielen Pläne und Konstruktionszeichnungen an der Wand lassen erahnen, wie viel Erfahrung und Wissen sich in den 70 Jahren Berufstätigkeit angesammelt hat, auf die Günter Weise zurückblicken kann. 1989 übernahm er die Firma von Heinz Baudach. Heute hat der 84-Jährige Unterstützung von seinem Sohn, einem Bauklempnermeister, der sich um die fälligen Dacharbeiten bei der Ofeninstallation kümmert. Noch bis vor Kurzem half Günter Weise selbst noch auf Baustellen mit aus. Heute kümmert er sich zusammen mit seiner Frau um das Büro. 

Günter Weise, 2019, Foto: Lukas Fischer

Die Tätigkeiten von Ofenbauer*innen sind komplex. Sie müssen auf die Kundenwünsche eingehen können, was gewisse Fähigkeiten im gestalterischen Bereich und Kreativität voraussetzt. Daneben brauchen sie technische Kenntnisse aus der Physik und Wärmelehre, müssen Montagezeichnungen oder Modelle erstellen, die Leistung eines Ofens berechnen können und Heizsysteme planen. Sobald es zur praktischen Umsetzung kommt, müssen Ofenbauer*innen Fliesen oder Kacheln zuschneiden oder sägen, Heiztüren, Rohre und Rauchabzüge einbauen und Bediensysteme anbringen können. Für das Verkacheln oder Verputzen des Ofens ist handwerkliches Geschick erforderlich. Aber nicht nur die Hände, auch der ganze Körper ist gefordert. Ofenbauer*innen arbeiten viel im Stehen und auf den Knien, unter Umständen sogar auch über Kopf. 

Ausgebildet hat Günter Weise schon lange keine Kachelofenbauer*innen mehr. Den letzten Lehrling hatte er in den 1970er-Jahren. Heute lohne sich das Ausbilden kaum noch, findet er, denn das Ofensetzerhandwerk, wie es früher ausgeübt wurde, existiere nicht mehr. Die traditionellen Ofenheizungen werden heute von modernen Heizsystemen mit digitaler Technik verdrängt. Zwar kann Baudach auch Gas-Zentralheizungen oder Holzpelletanlagen anbieten, zur Installation werden aber ausgebildete Sanitärinstallateur*innen und Elektriker*innen benötigt. Doch diese beschäftigt Günter Weise nicht im eigenen Betrieb. Mit den Zeiten ändern sich die Heizungsanlagen und mit ihnen das Profil dieses Gewerks.