hell glasierte Schälchen und Becher mit Goldrand
Becher, 2018, Dm: 7 cm, Höhe: 9 cm; Schale, 2018, Steinzeug, perlmutte Steinzeugglasur, Dm: 10 cm, Höhe: 6 cm; Vase, 2018, Steinzeug, perlmutte Steinzeugglasur, Dm: 8 cm, Höhe 12 cm, Leihgaben Anemone Richter

Modern, leicht, handwerklich:

Bender Keramik

Der kleine Ladenraum von Bender Keramik in der Reuterstraße wirkt hell und einladend, an den Wänden hängen weiße Regale, darauf stehen luftig arrangiert die Arbeiten von Anemone Richter, Inhaberin der Werkstatt. Es gibt viele zarte Becher und Schalen in hellen Farbtönen, manche mit Goldrand.

Ihre Arbeiten, wie auch die Werkstatt, zeugen von dem Ansatz, den Anemone Richter auch in ihren Kursen verfolgt. Sie möchte den Menschen vermitteln, dass die Arbeit mit Keramik etwas Modernes, Kreatives ist mit vielen Bezügen zu aktuellem Design. Die Teilnehmenden ihrer Kurse sind auch tatsächlich meist junge, kreative Menschen, die es genießen, etwas mit ihren eigenen Händen zu kreieren.

„Ich hatte eine Sehnsucht danach, etwas selbst zu erschaffen.“

Diese Sehnsucht hatte auch Anemone Richter, die zunächst eine Erzieherausbildung abschloss und sich erst nach einigen Jahren noch einmal umorientierte. Erst im Rückblick wundert sie sich, dass sie als junger Mensch gar nicht wusste, dass eine handwerkliche Ausbildung im Bereich Keramik eine Möglichkeit gewesen wäre. Ihre Ausbildung zur Keramikerin, die sie in sehr guter Erinnerung hat, absolvierte sie in der renommierten Keramikfachschule in Landshut. Dort gab es beste Lernbedingungen und einen Fokus auf das künstlerische Tun. Nach ihrem Umzug nach Berlin war sie in der Keramikwerkstatt der Domäne Dahlem tätig, was viel Arbeit an Wochenenden mit sich brachte. Feste Stellen im Bereich Keramik in Berlin zu finden, ist nicht leicht, so entschied sich Anemone Richter schließlich für die Selbstständigkeit. Sie lebt schon lange mit ihrer Familie in Neukölln in einer Wohnungsbaugenossenschaft, von der sie auch die Ladenräume in der Reuterstraße günstig mieten konnte.

Anemone Richter, 2019, Foto: Lukas Fischer

Ihre eigenen Arbeiten fertigt sie meist an der Drehscheibe, die im ersten Raum der Werkstatt steht. Im hinteren Raum gibt es vier mobile, sogenannte Japanscheiben, an denen die Kursteilnehmer*innen Platz finden. Die Kurse für Erwachsene bei Bender Keramik, die an zwei Tagen der Woche stattfinden, haben also kleine Gruppen, was einen intensiven Kontakt und Lernfortschritt ermöglicht. Anemone Richter schätzt die angenehme Atmosphäre und die Möglichkeit, den Menschen eine positive Erfahrung zu ermöglichen und dass diese den Weg zu ihr aus ihrem eigenen Interesse heraus finden. Manche Teilnehmer*innen kommen immer wieder und bleiben bei ihrem neugewonnenen Hobby. Dann kann sie beobachten, wie sie ihre Fertigkeiten immer weiterentwickeln. Die direkte Wertschätzung von den Teilnehmer*innen genießt Anemone Richter. Die Nachfrage nach Kursen ist groß.

 

Durch ihre Selbstständigkeit kann sie die Arbeit an ihren eigenen Werken und in den Kursen selbst einteilen und auch Familie und Arbeit so vereinbaren, dass es für sie passt. Das ist auch für Katharina Zink ein Anliegen, die ebenfalls in der Werkstatt arbeitet. So ist die Werkstatt Bender Keramik ein Symbol für die Wege, die Menschen heute suchen, um im Handwerk selbst Arbeitsbedingungen zu schaffen, die zu ihrem Leben passen.