halbmondförmiger Kettenanhänger, der die Umrisse einer griechischen Insel darstellt
Kette, 2016, Bronze, vergoldet, 12 x 6 cm, Länge: 22 cm, Leihgabe Lilian Syrigou
stark vereinfachte, anatomische Darstellung eines menschlichen Herzens mit zwei Herzkammern und Venen und Arterien
Brosche, 2019, Silber, vergoldet, 11 x 9 cm, Leihgabe Lilian Syrigou

Die goldene Insel:

Schmuck von Silberschmiedin Lilian Syrigou

Die halbmondförmige Kette stellt die griechische Insel Syros dar, von der die Silberschmiedin Lilian Syrigou stammt. Auf jeder der beiden Seiten erhebt sich die Silhouette einer Kirche auf einem Hügel – auf der einen Seite die katholische Kirche, auf der anderen die orthodoxe, deren Gemeinden sich lange unversöhnlich gegenüberstanden. Lilian Syrigous Großmutter verliebte sich einst in einen jungen Katholiken, durfte ihn aber nie heiraten. Diese Zeiten hätten sich zum Glück geändert, lacht die Silberschmiedin.

Über den Entstehungsprozess ihrer Stücke sagt sie, sie liebe vor allem den ersten und letzten Schritt. Wenn die erste Idee zu einer konkreten Vorstellung ausgereift sei und sie das Schmuckstück vor ihrem inneren Auge sehen könne, setze Ungeduld ein, bis sie das fertige Stück in den Händen halte. In ihrem Kopf laufen alle Herstellungsschritte wie in einem Zeitraffer ab, erzählt Lilian Syrigou. Äußerlich sichtbar beginnt dieser Arbeitsprozess mit einer Zeichnung. Die Prototypen stellt sie in ihrer Ladenraum-Werkstatt in der Boddinstraße her, die sie sich mit einer Druckerin und einer Künstlerin teilt. Dafür arbeitet sie mit verschiedenen Hämmern, Zangen, Feilen und natürlich mit großer Hitze, um die Silberdrähte zu verbinden. Ist der Prototyp fertig, werden Gussformen hergestellt und ein Betrieb in Griechenland übernimmt die Produktion. Zurück in Neukölln, arbeitet Lilian Syrigou dann die Details aus und stellt die Stücke fertig.

„Ich liebe es, wenn meine Idee im fertigen Schmuckstück umgesetzt ist.“

Lilian Syrigou, 2019, Foto: Thierry Caron

Ihr Handwerk gelernt hat Lilian Syrigou an der MOKUME Kunstakademie in Athen und sie schätzt die lange Tradition der Schmuckherstellung in Griechenland auch heute als große Quelle der Inspiration. Die Lehrer*innen, von denen sie während ihrer Ausbildung am meisten gelernt habe, seien sehr erfahrene Autodidakt*innen gewesen, merkt sie an. Die große Bedeutung, die in Deutschland Diplomen und Zertifikaten beigemessen wird, könne sie nicht recht verstehen. Nach dem erfolgreichen Beginn ihrer Selbstständigkeit in Athen zog sie 2012 nach Berlin. Ein Schritt, der ihrer Kreativität und der Qualität ihrer Arbeiten sehr zuträglich war, wie sie sagt. Für ihre Inspiration nutzt Lilian Syrigou die unterschiedlichsten Quellen: Reisen, die Natur, alltägliche Gegenstände und persönliche Erlebnisse. Hauptsächlich arbeitet sie mit Silber, das oft noch vergoldet wird. Die Herzbrosche ist eine ihrer neuesten Arbeiten, das Motiv entstand aus der Reflexion über den Tod. Was sie bewegt, übersetzt sie in minimalistische Interpretationen aus Silber.

goldene Ohrringe in Form von Blättern
Ohrringe, 2019, Silber, vergoldet, 7,5 x 5 cm und 8,5 x 1,2 cm, Leihgabe Lilian Syrigou

Ihre Produkte bietet sie online an und präsentiert sie jedes Jahr auf mehreren Messen und Ausstellungen in verschiedenen Ländern sowie auf dem Weihnachtsmarkt am Gendarmenmarkt. In Neukölln fühlt sie sich wohl, es sei „realer“ hier als Prenzlauer Berg, wo sie vorher einen Ladenraum hatte und sich zunehmend fühlte wie in einer Kulisse.

Die Selbstständigkeit bringe viele Vorteile und Freiheit, aber auch lange Arbeitstage, viel Verantwortung und ständiges Multitasking. Sie freut sich, dass sie für ihre künstlerische Arbeit, die Produktion der Stücke und den Verkauf zwischen Berlin und Griechenland pendeln kann. Ein besonderer Moment ist es für sie, ihre Arbeiten für Ausstellungen auf die griechischen Inseln zu bringen, an den Ort, aus dem sie so viel Inspiration bezieht.