Stempel, 2012, Baustahl, 9 cm x 17 cm x 9 cm, Leihgabe Gabriele Sawitzki, Rixdorfer Schmiede
Rosette, 2012, Baustahl, 9 cm x 1 cm x 9 cm, Leihgabe Gabriele Sawitzki, Rixdorfer Schmiede

 

Engagement und Vielfalt aus Metall:

Gabriele Sawitzki, Rixdorfer Schmiede

Das Schloss Britz bietet einen herrschaftlichen Anblick, dementsprechend ist die Gestaltung der historischen Tore, die von der Metallgestalterin Gabriele Sawitzki von zwei- zu vierflügeligen Toren umgearbeitet wurden. Von einem gründerzeitlichen Terrassengeländer stammt das Zierelement in Form einer Rosette, welches in der Schmiede für ein Privathaus in Lichterfelde restauriert wurde. Der Herstellungsprozess beginnt mit einer Zeichnung im Originalmaßstab auf Transparent-Zeichenpapier. Dann wird die Zeichnung mittels Kohlepapier auf eine feuerfeste Unterlage übertragen. Nach dieser Vorlage werden dann die Einzelelemente geschmiedet. Die Rosette, die in der Mitte sitzt, wird mit einem eisernen Stempel angefertigt. Dafür werden die Umrisse – in abgewickelter Form – zunächst auf ein Blech übertragen und ausgeschnitten. Der Rohling wird im Schmiedefeuer erhitzt und dann mit dem Stempel bearbeitet, bis die gewünschte plastische Form erreicht ist. 

Jakob Frech und Carl Brökelmann, 2019, Filmstill von Anna Caroline Arndt und Ralph Etter

Seit 1983 betreibt Gabriele Sawitzki ihren Handwerksbetrieb, der auf Kunstschmiede und Metallbau spezialisiert ist. Die Werkstatt befand sich früher – parallel zu anderen Produktionsstandorten – in der historischen Schmiede auf dem Richardplatz und ist heute ausschließlich in der Bürgerstraße in Neu-Britz zu finden. Zu ihren Arbeitsbereichen zählen der Neubau und die Restaurierung von Metalltüren und Toren, Zäunen, Balkonen und anderen Bauelementen. Besonders die Sanierung historischer Gebäude mit ihren Denkmalschutzvorgaben oder Arbeiten an Kirchen sind interessante Aufträge. In ihrem langen Arbeitsleben hat Gabriele Sawitzki schon verschiedenste Dinge gefertigt und einer Jungbrunnenkur unterzogen: von Möbeln für den Innenbereich bis hin zu Altarplatten, Leuchtern für ein Mausoleum und Treppengeländer für das Deutsche Herzzentrum. In ihrer Werkstatt werden außerdem Einzelteile nachgefertigt und vielfältige Restaurierungen vorgenommen. Für die Restaurierung einer gründerzeitlichen Hauseingangstüre in Charlottenburg erhielt die Rixdorfer Schmiede 2016 den Deutschen Metallbaupreis. Dieser wird jährlich für besondere Arbeiten in verschiedenen Kategorien vergeben. Diese Haustüre, erzählt Gabriele Sawitzki, hätte zwar zwei Weltkriege überlebt, nicht aber das Urinieren vieler Passanten. Die Tür, die dadurch völlig von Säure zerfressen war, wurde von ihr und ihrem Team vollständig restauriert. Gerne fertigt die Metallbauerin Stahl-Glas-Elemente, sowohl für die Sanierung von Altbauten als auch für den Loftausbau. Kunstschmiedearbeiten werden ebenfalls in Handarbeit hergestellt.

„Es ist die Vielfalt der Tätigkeiten, die meine Arbeit so spannend macht.“

Gabriele Sawitzki ist seit Jahren Botschafterin für ihr Gewerk und sehr engagiert in der Nachwuchs- und Frauenförderung sowie in der Netzwerkarbeit. Aktuell beschäftigt sie drei Lehrlinge. Einen im ersten Lehrjahr und einen in der Endphase seiner Ausbildung im vierten Lehrjahr. Ein dritter Lehrling kam auf Umwegen hinzu: der junge Mann hatte ein Praktikum bei Gabriele Sawitzki absolviert und danach ein Maschinenbaustudium begonnen. Als er das als unbefriedigend erlebte, kam er auf das Angebot seiner Chefin zurück, ihn als Auszubildenden zu übernehmen. Aufgrund des Praktikums und seiner Erfahrungen aus dem Studium konnte er gleich im zweiten Lehrjahr einsteigen. Dass viele ihrer Kolleg*innen über mangelnden Nachwuchs klagen, hört Gabriele Sawitzki oft. Ihrer Auffassung nach hätten es die Betriebe selbst in der Hand, attraktive Arbeitsbedingungen und ein gutes Arbeitsklima zu schaffen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei wichtig. Der frühe Arbeitsbeginn, der im Handwerk traditionell eingehalten werde, sei da wenig hilfreich und müsse auch nicht sein, es sei denn, der Arbeitsablauf im Team erfordere es zwingend. Wenig Einfluss hätten die einzelnen Werkstätten jedoch auf die steigenden Gewerbemieten, die das Handwerk aus den Innenstadtbereichen verdrängt. Damit seien die Arbeitsorte für viele Jugendliche gar nicht mehr sichtbar. Auch müsste das Sozialprestige ihres Berufes verändert werden.

So müssten mehr junge Frauen für die Metallbausparte gewonnen werden. Sie selbst hat schon eine ganze Reihe ausgebildet. Die Modellprojekte, die Gabriele Sawitzki in ihren über 35 Jahren Berufserfahrung erlebt hat, die vor allem Mädchen für den gewerblich-technischen Bereich begeistern wollten, zeigten wenig Wirkung. Während es inzwischen vergleichsweise viele Tischlerinnen gebe, bei ihnen liegt die Ausbildungsstatistik bei über 20 Prozent, hinke der Metallbau diesem Trend weit hinterher, beobachtet Gabriele Sawitzki. Als Mitglied des Gesellen-Prüfungsausschusses sei sie schon froh, wenn pro Ausbildungsjahrgang drei Frauen dabei sind. Doch der Beruf muss auch zu den Jugendlichen passen, findet sie. Neben ihren Workshops für Kinder ist sie hin und wieder in Schulen unterwegs, um ihre Tätigkeiten vorzustellen. Dabei bringt sie gerne einen schmutzigen Arbeitshandschuh mit. Wer sich davon gleich abgestoßen fühle, sei nicht für ein Handwerk geeignet, in dem man die meiste Zeit mit schmutziger Arbeitskleidung herumläuft. „Aber wir haben Seife“, sagt sie lachend, „den Schmutz kann man hinterher wieder abwaschen.“ Viele ihrer weiblichen Auszubildenden verließen die Werkstatt sorgfältig geschminkt und gestylt, das sei überhaupt kein Widerspruch, findet Gabriele Sawitzki.