Kühlwasserpumpe für VW-Polo, um 2010, Metall, 13 x 9 x 11 cm, Sammlung Museum Neukölln

 

Leidenschaft für Autos:

Die Kfz-Werkstatt B & S Autoservice Bengelsdorff und Sender 

Ob Wankelmotor oder Ottomotor, schon als Jugendlicher wusste Christian Sender über die verschiedensten Arten von Verbrennungsmotoren Bescheid. Doch das Auto besteht aus mehr als nur dem Motor. Jedes noch so kleine Bauteil ist wichtig, um eine zuverlässige Fahrt sicherzustellen. Ist etwa die Kühlwasserpumpe defekt, kann der Motor Schaden nehmen. Sie lässt das Kühlwasser zirkulieren, das den Motor vor Überhitzung schützt.

Die Faszination für Autos begleitet Kfz-Meister Christian Sender schon von Kindheit an. Bereits als kleiner Junge schaute er seinem Vater beim Schrauben über die Schulter. In der Sekundarschule widmete er sich zwischen den Unterrichtsstunden seinen Autozeitschriften. Dies entging seinem Klassenlehrer nicht. Christian Sender war überrascht, dass dieser überhaupt von seiner Autoleidenschaft wusste, ließ sich aber gern am Ende der 10. Klasse ein Vorstellungsgespräch bei einem Kfz-Betrieb in Lichterfelde vermitteln. So mündete die Schulzeit nahtlos in die dreijährige Berufsausbildung zum Kfz-Mechaniker. Von der Klempnerei bis zu Lackierarbeiten durchlief er alle Stationen der Ausbildung. Mit einem hohen Praxisanteil und dem guten Miteinander unter den Mitarbeitern bleiben die Lehrjahre in guter Erinnerung. 

Christian Sender, 2019, Foto: Museum Neukölln

Mit den technischen Neuerungen im Automobilsektor haben sich die Anforderungen an das Handwerk geändert. Viele Teile des Fahrzeuges sind heute mit Elektronik ausgestattet. Wo früher eine mechanische Zündanlage saß, kommen heute zum Teil vollelektronische Komponenten zum Einsatz. Kontinuierliche Weiterbildungen und Anschaffung neuer Geräte sind nötig, um mit dieser Entwicklung Schritt zu halten und den vollen Angebotsumfang einer Reparaturwerkstatt anbieten zu können. Gerade als kleiner Betrieb ist das eine Herausforderung. Christian Sender nennt Werkstätten wie seine eigene scherzhaft „Tante-Emma-Laden für den Kfz-Bereich“. Zudem sei der Mangel an Nachwuchs eine Bedrohung für die gesamte Branche. Das Interesse am Handwerk und die Bereitschaft, sich die Finger dreckig zu machen“, lasse deutlich nach, beobachtet er. Heute sei Studieren das große Ziel, teilweise ohne wirklich zu wissen, was dem eigenen Interesse entspreche. 

Ganz anders als beim motorsportbegeisterten Kfz-Mechaniker, der sich gerne auch in der Freizeit mit seinem alten Lancia beschäftigt. Nach der abgeschlossenen Ausbildung bildete er sich zum Annahmemeister und Werkstattleiter fort und hatte zeitweise bis zu acht Lehrlinge in seiner Verantwortung. Später wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit. Mit Jugendfreund Rudi Bengelsdorff leitet er nun schon seit 23 Jahren die kleine Reparaturwerkstatt in der Delbrückstraße. Ausschließlich zu zweit bedienen sie dort vorwiegend Stammkundschaft aus den südlichen Neuköllner Ortsteilen. Um den Betrieb langfristig übernehmen zu können, musste einer der Geschäftspartner den Meistertitel im Kfz-Handwerk nachweisen. Bis dahin blieb der Vorbesitzer und Altmeister offizieller Geschäftsführer der Werkstatt. Seit 1999, als Christian Sender den Meisterbrief überreicht bekam, wird der Betrieb in Eigenregie geführt. Das Arbeiten im Team ermöglicht es, dass die Partner sich alle 14 Tage im Wechsel einen freien Tag einrichten, für zusätzliche Mitarbeiter*innen oder gar Azubis reichen Platz und Einnahmen jedoch nicht. 

Ich bin glücklich, dass mein Beruf gleichzeitig mein Hobby ist. 

Der Kfz-Meister ist dennoch zufrieden mit seiner Arbeit, obwohl es gerade Kleinbetrieben schwerfällt, sich laufend mit Aufträgen zu versorgen. Einen Wunsch, den Christian Sender an die Politik richtet, wäre es, die Steuer saisonbedingt anzupassen, um leichter über Durststrecken zu kommen. Der persönliche Kontakt zu seinen Kund*innen ist Sender sehr wichtig. Besonders freut ihn, dass bis heute auch einer seiner ehemaligen Lehrer zur seiner Kundschaft gehört.