das ovale Schild zeigt das Wappen von Neukölln, dem Umriss der Stadt Berlin und die Aufschrift Privatbrauerei am Rollberg finest Natural Bier Berlin
Werbeschild der Rollberg-Brauerei, 42 x 31 cm, um 2010, Leihgabe Rollberg-Brauerei

Brauhandwerk mit allen Sinnen:

Privatbrauerei am Rollberg

Wasser, Hopfen und Malz sind die Grundzutaten, aus denen Bier entsteht. Am Anfang steht das Maischen, das Aufkochen des Malzes mit Wasser, darauf folgt das Läutern, das Trennen von Flüssig- und Feststoffen. Die Flüssigkeit kommt nun in die Würzpfanne, wo der Hopfen zugesetzt wird und der Sud ein weiteres Mal aufgekocht wird.

Im sogenannten Whirlpool werden die letzten Schwebestoffe ausgesiebt. Im Gärtank wandelt die Hefe den gelösten Malzzucker in Alkohol um. Das so entstandene Jungbier reift danach noch vier bis acht Wochen, bevor es ausgeschenkt wird. Der Weg vom Rohstoff zum Bier ist heute eine hochtechnisierte Angelegenheit: In modernen Brauanlagen laufen die meisten dieser Arbeitsschritte maschinengesteuert ab.  

Die Craft-Beer-Bewegung (von englisch: craft = Handwerk), die seit einigen Jahren auch in Berlin Konjunktur hat, setzt der Entwicklung von immer größeren, industriellen Brauereien und einer Vereinheitlichung des Produktes Bier etwas entgegen. Als Craft Beer bezeichnet man besondere, handwerklich hergestellte Biere aus kleineren Brauereien, die viel Wert auf Qualität, Naturbelassenheit, hochwertige Rohstoffe und besondere Sorten legen. 

Die Rollberg-Brauerei auf dem Neuköllner Rollberg ist so eine Brauerei, in der seit zehn Jahren mit Sorgfalt und hohem Anspruch Craft Beer gebraut wird. Dies geschieht in den Räumen der ehemaligen Kindl-Brauerei. 

Mann mit Jeans und schwarzem Polo-T-Shirt hat die Hände in den Hosentaschen und schaut ernst

Nils Heins, 2017, Foto: Soon Lee
lachender Mann mit Basecap, trägt ein schwarzes T-Shirt mit dem Aufdruck Privatbrauerei Rollberg

Wilko Bereit, 2017, Foto: Soon Lee
lachender Mann mit Bart und Basecap, trägt ein schwarzes T-Shirt

Dominik Note, 2017, Foto: Soon Lee
lachender Mann mit schwarzem T-Shirt mit dem Aufdruck Privatbrauerei Rollberg

Robert Dömlang, 2017, Foto: Soon Lee

 

Mit der handwerklichen Herstellung ist vor allem die Kontrolle des Produktes durch die Sinne gemeint: man muss kontinuierlich hören, riechen, schmecken und sehen, um den nächsten Schritt im Brauprozess einzuleiten. Trotz digitaler Messtechnik kommt es dabei auf Erfahrung an. Braumeister Wilko Bereit verwendet Hopfen und Malz in Bioqualität und erlaubt dem Bier eine lange Reifung. Auf Pasteurisation und Filtration wird verzichtet, was den Geschmack unterstützt, jedoch die Haltbarkeit verkürzt. Um sicherzugehen, dass das Bier in optimaler Qualität zu den Kund*innen gelangt, wird nur in Fässer und nicht in Flaschen abgefüllt. Als regionale Vertriebsbrauerei produziert die Brauerei für kooperierende Gastwirtschaften in Neukölln und Umgebung, wie der zweite Geschäftsführer, Nils Heins erklärt. Neben den beiden Standardsorten Rollberg Hell und Rollberg Rot gibt es saisonale Biere wie etwa Weizen, Maibock oder Rauchbier. 

Bier ist ganz klar ein geselliges Getränk.“  

Nicht nur von der Qualität ihres Bieres haben die beiden Geschäftsführer klare Vorstellungen. Sie finden, Bier solle nicht allein zu Hause aus der Flasche vor dem Fernseher konsumiert werden, sondern in geselliger Runde. Auch würden sie ein Mindestalter von 18 oder besser noch 21 Jahren begrüßen. Bier trinken bedeutet also für sie bewussten Genuss von Produkten mit hoher Qualität. 

Auch in der Ausbildung setzten sie daher auf volljährige Quereinsteiger und Menschen, die sich aus Überzeugung für den Weg zum/r Brauer*in entschieden haben. Sie werden als vollwertige Arbeitskräfte in den gesamten Betriebsablauf eingebunden und können nach fünf Jahren Berufserfahrung dann als externe Teilnehmer*innen die Gesellenprüfung bei der Handwerkskammer ablegen. Dieses Konzept beruht auf den Erfahrungen der Lehrjahre von Braumeister Wilko Bereit. Als billige Arbeitskraft wurde er in seinem Lehrbetrieb in der Flaschenabfüllung eingesetzt, ohne am Ende ein Verständnis für den Brauprozess zu haben. Seine Brauerfahrung erwarb er sich nach der Ausbildung in kleinen Hausbrauereien im In- und Ausland. Mittlerweile wurde die Meisterpflicht im Brauer-und-Mälzer-Handwerk aufgehoben. Dafür habe er wenig Verständnis. Schließlich handele es sich bei Bier um ein Lebensmittel, bei dessen Herstellung viel Sorgfalt walten muss und das Brauen sei ein komplexer Prozess, der viel Erfahrung verlange. 

drei hohe, schmale Gläser, die einen orange-braunen Aufkleber mit dem Logo der Rollberg-Brauerei tragen; eines gefüllt mit kleinen, grünen, zylinderförmigen Stückchen, eines mit dunkelbraunen Malzkörnern, eines mit hellbraunen Malzkörnern
Biergläser mit Bio-Hopfenpellets Typ 90 Tradition und Bio-Gerstenmalze der Mälzerei Weyermann Bamberg: Pilsner Malz, Röstmalz CARAFA, Glas, H: 20, Dm: 6 cm, Leihgabe Rollberg-Brauerei

Die tägliche Arbeit des Bierbrauens ist dabei wenig romantisch. Zur Einhaltung der hohen Hygienestandards besteht ein Großteil der Arbeit eines Brauers aus Putzen und für die Herstellung eines Liters Bier werden etwa acht Liter Putzwasser verbraucht.

Mit ihren Produkten, die man auch im einladenden, hauseigenen Ausschank genießen kann, leistet die Rollberg-Brauerei einen Beitrag zur Biervielfalt der Stadt und erfreut die stetig wachsende Fangemeinde von Craft Beer.