Spiralorthese, 2018, Prepreg-Kohlefaser, (Carbon), Neopren, 52 × 28 × 10 cm, Leihgabe Orthopädie Technik Telschow

Gipsabdruck, 2000, Gips, Eisenstange, 52 × 28 × 10 cm, Leihgabe Orthopädie Technik Telschow

Versorgung mit Herz:

Orthopädie Technik Telschow

Leicht, flexibel, passgenau angefertigt. Die dynamische Spiralorthese wurde von Orthopädiemechanik-Meister Benjamin Telschow mit einem Kollegen entwickelt und bietet eine innovative Versorgung bei Fußhebeschwäche, die durch verschiedene Krankheiten hervorgerufen werden kann. Sie hebt die Fußspitze beim Durchschwingen des Beines an, um zu verhindern, dass der Fuß beim Laufen am Boden hängenbleibt. Moderne Prepreg-Kohlefasern kommen bei der individuellen Anfertigung zum Einsatz, sie ermöglichen die Flexibiliät der Orthese. Zugleich ist sie mit etwa 200 Gramm sehr leicht, was den Tragekomfort gegenüber konventionellen Orthesen deutlich erhöht.

Benjamin Telschow, 2019, Filmstill von Anna Caroline Arndt und Ralph Etter

Für die individuelle Anfertigung wird zunächst ein Gipsabdruck des Unterschenkels und Fußes abgenommen. Mithilfe dieses Gipsnegativs wird dann ein Positiv gegossen. So kann die Orthese optimal angepasst werden. Für Herrn Telschow erlaubt dieses Verfahren mehr handwerkliche Präzision, auch in Konkurrenz zu digitalen Scans. Die Herstellung der Spiralorthese verdeutlicht das Zusammenspiel von Handarbeit und moderner Computertechnik: es ist dabei viel Handarbeit erforderlich, zugleich wird für den passgenauen Zuschnitt der Teile eine Computerfräse eingesetzt.

Die Orthopädietechnik ist ein besonders vielseitiges Handwerk, verschiedenste  Materialien kommen zum Einsatz, von Stoff, Leder über Metall, Kunststoff bis zu den Karbonfasern. Es wird geklebt, genietetet, genäht, geschnitten, geschliffen, gepresst… Genau diese Vielseitigkeit schätzt Benjamin Telschow an seiner Arbeit und kann sich keinen anderen Beruf für sich vorstellen. Die Werkstatt des Orthopädiehauses Telschow ist auf Orthetik spezialisiert, das Handwerk umfasst auch Prothetik und Rehatechnik. Insgesamt entwickelt sich das Orthopädiehandwerk derzeit gut, in Berlin und Brandenburg gibt es allerdings nur wenige Auszubildende.

„Mein Beruf hat viel mit Vertrauen zu tun.“

Besonders wichtig ist für Benjamin Telschow das Vertrauensverhältnis zu den Kund*innen, die oft mit schwerwiegenden Diagnosen konfrontiert werden, ehe sie zu ihm ins Haus kommen. Das gehe ihm nahe und er sei sich der Verantwortung bewusst, die mit seiner Arbeit einhergehe. Die Kund*innen müssen sich in ihrer körperlichen Hilfebedürftigkeit zeigen und sind auf eine handwerklich perfekte Arbeit angewiesen. Die Orthesen unterstützen im Alltag, für manche Kund*innen ermöglichen sie erst das Gehen. Dafür ist eine Vertrauensbasis nötig, die im persönlichen Gespräch geschaffen wird. Hier können die Bedürfnisse der Menschen kennengelernt und eine individuell angepasste Versorgung entwickelt werden.

Der Familienbetrieb Telschow in Alt-Rudow feiert 2019 sein 50jähriges Bestehen an diesem Standort, die Familientradition reicht schon bis 1894 zurück. Seit 1957 versorgten die Brüder Helmut und Heinz Telschow vor allem Kriegsversehrte. Das Geschäft in Rudow übernahmen Benjamin und Katrin Telschow 2014 von ihrem Vater Uwe. Derzeit hat der Betrieb 21 Mitarbeiter, sechs davon in der Werkstatt. In der Verwaltung wird ausgebildet. Das Orthopädiehaus Telschow hat viele Stammkunden, für die sie sich gern viel Zeit nehmen und den persönlichen Kontakt pflegen.