viereckige Pappschachtel und ein ausgeklapptes Rasiermesser mit dunkelbraunem Holzgriff und Stahlklinge
Rasiermesser, um 1920, Holz und Stahl, geschliffen, L: 17 cm; Rasierstein, um 1910, Pappe und Alaun, gepresst, 3 x 6 x 4 cm, Sammlung Museum Neukölln

 

An Messers Schneide:

Vom Bader zum Barbier 

 

Ein Rasiermesser wird zur Rasur verwendet. Anders als bei den Rasierern, die heute üblich sind, wird die Klinge eines Rasiermessers nicht einfach ausgetauscht, wenn sie stumpf ist, sondern wird mit Hilfe eines Abziehsteins nachgeschärft. Obwohl bei einer Rasur mit dem Rasiermesser sehr akribisch gearbeitet wird, kann es durchaus passieren, dass die Klinge kleine Wunden auf dem Gesicht erzeugt. Hier kommt der Rasierstein zum Einsatz. Dieser besteht aus Kaliumalaun, das zur Desinfektion und Blutstillung oberflächlicher Hautverletzungen genutzt wird. Leider brennt es stark, was die Anwendung recht unangenehm machen kann. 

Der Beruf des Barbiers entwickelte sich aus dem Beruf des Baders, den es schon seit dem frühen Mittelalter gab. Bader betrieben sogenannte Badehäuser, in denen sie der zubereiteten und Haare und Bärte scherten. Bader waren mit ihrer Arbeit immer an die Badehäuser gebunden, während Barbiere dieselben Tätigkeiten auch außerhalb ausführten.  

Mit der Zeit boten beide Berufsgruppen auch häufiger medizinische Eingriffe, wie das Ziehen von Zähnen, Wundbehandlungen, Schröpfen und Aderlassen an. Bis zur Augsburger Konferenz 1548 galten sowohl der Bader-, als auch der Barbierberuf als unehrlich und wurden mit Berufen wie dem Henker und Gaukler gleichgesetzt.  

Das 19. Jahrhundert gilt als die „Goldene Ära“ des Rasiermessers, da es immer unüblicher wurde, sich selbst im eigenem zu Hause zu rasieren. Der Gang zum Barbier wurde für die meisten Männer zur regelmäßigen Angelegenheit. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das Rasiermesser dann vom kostengünstigeren Rasierhobel mit austauschbarer Klinge verdrängt. Die Klingen mussten nicht mehr geschärft werden und es war nicht nur günstiger, sondern auch hygienischer, nicht mehr zum Barbier zu gehen, denn so konnte die Ansteckung mit Hautkrankheiten vermieden werden.  

Heute ist der gepflegte Bart wieder in Mode. Mittlerweile findet man in jedem Drogeriegeschäft ein breites Sortiment an Bartpflegemitteln. Der Trend der traditionellen Nassrasur bildet sich in den vielen professionellen Barbershops ab, die in Nord-Neukölln, aber auch anderen Stadtteilen Berlins, in den letzten Jahren eröffnet wurden. Ein Grund dafür mag wohl auch in beliebten Filmen und Fernsehserien liegen, deren Handlung sich teilweise in „Barbershops“ abspielt. Hier zeigt sich das Wechselverhältnis von Handwerk und Zeitgeist.