Goldene Finger und ein Händchen für die Kundschaft:

Der Salon von Toufic Al-Rifae 

Das Leuchtschild mit der verschleierten Frau und den Friseurwerkzeugen markiert den Eingang zu einem Raum, der Frauen vorbehalten ist. Während der vordere Teil von Toufic Al-Rifaes Salon allen Geschlechtern offensteht, ist der hintere Raum für Frauen gedacht, die beim Friseurbesuch lieber unter sich sein wollen. Das zeigt bereits, welchen Ansatz Toufic Al-Rifae in seinem „Salon und Barbershop Goldene Finger“ verfolgt: Er möchte seinen Service allen Menschen anbieten, unabhängig von Geschlecht und Religion. Daher bietet er einen separaten Raum für Frauen an, die aus religiösen Gründen eine strenge Geschlechtertrennung einhalten möchten. 

Mir ist wichtig, dass sich alle bei uns wohlfühlen.“ 

Die Damen werden von Toufic Al-Rifaes Frau Yasmin bedient, die auch gelernte Kosmetikerin ist. Das Spektrum im Goldene Finger reicht von Waschen, Schneiden und Föhnen über Abend-Make-up mit künstlichen Wimpern bis hin zum kompletten Brautstyling mit Hochsteckfrisur. Bei den Herren liegt die Bartpflege zurzeit sehr im Trend, egal ob einfache Rasur oder Vollbart mit Muster.  

Toufic Al-Rifae, 2019, Foto: Lukas Fischer

Bei der Neugestaltung seines Ladens im vergangen Jahr hat sich Toufic Al-Rifae am Stil alter Barbershops aus den 1950er- und 60er-Jahren orientiert. Damit folgt er einem Trend, der bereits vor über 20 Jahren mit der Eröffnung des ersten Barbershops in Neukölln begann. Toufic Al-Rifae konnte durch die Renovierung neue Zielgruppen erreichen. Neben der Neuköllner Bevölkerung spricht der Barbershop auch Tourist*innen an. Diese kämen inzwischen vermehrt nach Neukölln, wie Toufic Al-Rifae feststellt. Seiner Auffassung nach liegt das an der Fernsehserie „4 Blocks“, die in Neukölln spielt und auch im Ausland zu sehen ist. Um die internationale Kundschaft bedienen zu können, ist Englisch für ihn wichtig. Gerade wenn es um die Haare geht, ist es unumgänglich, die Vorstellungen der Kundschaft verstehen und umsetzen zu können. Toufic Al-Rifae legt großen Wert darauf, dem Vertrauen, das die Kund*innen ihm und seinem Können entgegenbringen, gerecht zu werden und allen Wünschen nachzukommen. 

Neben Deutsch und Englisch wird im Salon auch Arabisch gesprochen. Toufic Al-Rifae wuchs im Libanon auf, wo er eine Ausbildung zum Friseur machte. Im Alter von 17 Jahren ging er zum Arbeiten nach Libyen. In Deutschland lebt er nun schon seit 20 Jahren, den Laden in der Sonnenallee betreibt er seit 2002.  

Das Friseurhandwerk zählt hierzulande zu den zulassungspflichtigen Handwerken. Das heißt, man benötigt einen Meisterbrief, um sich selbstständig zu machen. Über diesen verfügt Toufic Al-Rifae nicht, doch es gibt Ausnahmeregeln. So vergibt die Handwerkskammer Sondergenehmigungen, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind. Toufic Al-Rifae hat eine solche Bescheinigung erhalten, er darf selbstständig einen Laden führen und bezahlt eine jährliche Gebühr, aber anders als ein Meister darf er nicht ausbilden. Stattdessen bietet er Nebenjobs für Schüler*innen an. 

Obwohl er selbst nicht in Neukölln lebt, gefällt ihm der Standort in der Sonnenallee. Es ist die Mischung aus Stammkund*innen und Tourist*innen, die für ihn die Besonderheit dieses Kiezes ausmacht. Auch wenn die Miete immer teurer wird, hofft Toufic Al-Rifae, die inzwischen schon fast 20jährige Tradition seines Ladens weiterführen zu können.  

Salon und Barbershop Goldene Finger, 2019, Foto: Lukas Fischer