Farbpaste, um 2010, Plastik, Pappe, 4 x 3 x 3 cm (Karton), Sammlung Museum Neukölln
Haarschneidemaschine, um 2010, Metall, Plastik, 18 x 5,5 x 4 cm, Sammlung Museum Neukölln

Friseursalon Kessler:

Familientradition im Reuterkiez 

Eine elektrische Haarschneidemaschine und eine Tube Farbpaste zum Kolorieren von Haaren. Handwerkszeug, das für Friseurmeisterin Martina Kessler ein täglicher Begleiter ist. Sie übt ihren Beruf mit Leidenschaft aus und das seit mehr als vierzig Jahren und in dritter Generation. Gegenüber dem heutigen Laden in der Pannierstraße eröffnete ihr Mann Klaus Kessler 1974 sein erstes Friseurgeschäft. Seine Mutter war ebenfalls als Friseurmeisterin tätig. Martina Kessler absolvierte ihre Ausbildung in der nahegelegenen Friedelstraße und blieb ihrem Heimatbezirk Neukölln zeit ihres Arbeitslebens treu. Die Tochter der Kesslers hat heute auch ein eigenes Friseurgeschäft. 

Als alteingesessener Betrieb hat der Friseursalon viele Stammkund*innen. Einzelne halten den Kesslers schon seit 45 Jahren die Treue und teilen viele Höhen und Tiefen des Lebens. Die Friseurmeisterin schätzt das besondere Vertrauensverhältnis mit ihren Kund*innen. Dementsprechend hoch hält sie das Gebot der „Schweigepflicht“, das für sie zu ihrem Berufsethos gehört. Geschenke von Kund*innen, die den Laden schmücken, zeugen von diesem innigen Verhältnis 

„Was im Geschäft gesagt wird, verlässt den Laden nicht. 

Grundsätzlich, findet Martina Kessler, hat sich über ihr Berufsleben hinweg im Friseurhandwerk nicht viel verändert, die Mode kommt und geht, vor allem die Farben werden unterschiedlich verlangt. Gerade seien blond und rot sehr beliebt. 

Bis 2010 hat Martina Kessler regelmäßig auch Friseurnachwuchs im Geschäft ausgebildet. Beratung, Schnitt und das Mischen der Farben erfordern besondere Erfahrung. Sie befürwortet eine gute Qualifizierung und die Aufrechterhaltung der Meisterpflicht im Friseurhandwerk. Heute kann die Meisterausbildung direkt an die Gesellenausbildung anschließen, früher waren mehrere Jahre Berufserfahrung dazwischen notwendig. Diese Entwicklung sieht sie kritisch. Auch findet sie die Gewährleistung gleich hoher Ausbildungsstandards für alle Friseurgeschäfte der Stadt wichtig.  

Seit einiger Zeit führt die 63jährige den Friseursalon allein, weil ihr Mann krankheitsbedingt nicht mehr arbeiten kann und Pflege braucht. So muss sie beides, die Arbeit und die Pflege, unter einen Hut bringen. Die Miete für den Laden wurde kürzlich neu verhandelt und erlaubt es, den Laden weiterzuführen. Martina Kessler fühlt sich wohl in Neukölln und in ihrem Salon und möchte für ihre Kund*innen da sein, solange es geht.