Ondulieren und Frisieren

Friseure als Haarkünstler 

Mithilfe eines Brenneisens können Haare durch Hitzeeinwirkung in Locken gelegt werden. Dafür muss das Brenneisen über einem Herd oder einer anderen Feuerstelle erhitzt werden. Anschließend wird die Spitze einer Haarsträhne zwischen die Stäbe geklemmt und zum Kopf hin aufgewickelt. Wenn man allerdings der Kopfhaut zu nahekommt, können Verbrennungen auftreten. Außerdem ist es möglich, durch die fehlende Hitzeregulierung das Haar so stark zu erhitzen, dass es durchbrennt oder ausfällt. Diese heute etwas archaisch anmutenden Brenneisen stehen symbolisch für den Wunsch der Menschen, die eigenen Haare im Sinne der aktuellen Mode zu verändern. 

Die Brenneisen aus der Sammlung des Museums Neukölln waren Handwerkszeug von Friseur*innen. Mitte des 20. Jahrhunderts fanden Brenneisen auch in Privathaushalten Verwendung, ein Beispiel dafür ist das Selbst-Onduliereisen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die herkömmlichen Brenneisen durch den elektrischen Ondulierstab ersetzt. Im Friseurhandwerk setzte man auf die Entwicklung dauerhafter Methoden. So entwickelte sich 1906 zum Beispiel die sogenannte Heißdauerwelle. Die erste chemisch erzeugte Dauerwelle wurde schon 1932 eingeführt. Besonders in den 1970er und 1980er-Jahren war sie sehr beliebt, wobei die Größe der Locken immer an die neueste Mode angepasst wurde.  

Auch die Dauerwelle ist nicht ganz ungefährlich, da es bei falscher Anwendung zu chemischen Verbrennungen der Kopfhaut kommen kann. Aber heute wie damals waren Menschen stets bereit, für eine gute Frisur ein gewisses Risiko einzugehen, frei nach dem Motto: „Wer schön sein will, muss leiden.“ 

Obwohl offiziell Karl Ludwig Nessler aus dem Schwarzwald der Status des Erfinders der Dauerwelle zukommt, wissen es die Neuköllner*innen besser. Der eigentliche Erfinder ist nämlich der Neuköllner Friseur Otto Kafka, so wird er zumindest in einem Zeitungsartikel des 12 Uhr Blattes vom 21.04.1942 betitelt. Darin wird ein von ihm erfundenes Mittel beschrieben, das die Haare so bearbeite, dass sie nach der Anwendung der Lockenwickler und Brenneisen noch wochenlang in Form blieben. Leider meldete er für seine Erfindung nie ein Patent an 

Ein anderer Neuköllner Friseur, der sich in seinem Beruf Ruhm und Ehre verschaffen konnte, war Emil Hesse. Dieser war ein sogenannter Schaufriseur, der aufwendige Steck- und Flechtfrisuren zauberte und dafür einige Preise gewann. Die Frisur als Glamourfaktor ist eben ein Dauerbrenner, auch bis heute.