schwarz-blaue, geflochtene Kunsthaarteile
Blaue Kunsthaar-Flechtzöpfe „Crochet Braids“, 2018, Kunsthaar, 45 x 10 cm, Sammlung Museum Neukölln und Crochet-Nadel, Kunststoff, 2018, Metall, 15 x 2 cm, Sammlung Museum Neukölln

 

Flechtfrisuren in allen Farben:

M-Chantal Afrofriseur & Shop

Kunsthaare in den unterschiedlichsten Farben, Formen und Längen. Sobald man den Ladenraum des Afroshops in der Warthestraße betritt, wird die breite Palette an Flechtfrisuren deutlich, die die Inhaberin Marie Chantale Gouegni dort  anbietet. Ihr Repertoire ist so vielfältig wie die Ansprüche und nsche ihrer Kund*innen. Ist nicht genug Eigenhaar vorhanden, kann Echthaar oder vorgefertigtes Kunsthaar eingearbeitet werden. Häufig werden dazu Kunsthaarzöpfe, engl. crochet braids, verwendet. Mithilfe der Crochet-Nadel (wörtlich übersetzt: Häkelnadel) werden diese kunstvoll im eng am Kopf anliegenden, geflochtenen Naturhaar fixiert. Das Einflechten der Haare wird von erfahrenen Flechterinnen wie Marie Chantale Gouegni innerhalb weniger Minuten durchgeführt. Sie profitiert dabei von ihrer jahrzehntelangen Erfahrung. 

„Ich habe Freude an meiner Arbeit. Ich habe meine beiden Hobbys zum Beruf gemacht!“ 

Unter dem englischen Begriff „Braids“ (übersetzt: Zöpfe) werden alle Arten von Flechtfrisuren zusammengefasst. Im afrikanischen Kulturraum hat die Flechtkunst eine hochentwickelte und lange Tradition und umfasst schlichte bis kunstvoll aufgetürmte Varianten. Die Technik ermöglicht auch schnelle Typveränderungen. Zu diesem Zweck können neben Fremdhaar auch Perücken über dem geflochtenen Eigenhaar getragen werden. Die Flechtfrisuren werden permanent getragen und nicht zur Haarpflege geöffnet. Neben verschiedenen Farben kommen auch Perlen und andere dekorative Elemente zum Einsatz. Kunsthaar ist ab sieben Euro zu erwerben, Echthaar ist kostspieliger und wird seltener verlangt. Neben Flechtfrisuren sind Haarverlängerungen sehr beliebt. Die hohen Regale im Ladengeschäft, einer Mischung aus Friseursalon und afrikanischem Gemischtwarenhandel, sind neben allen Arten von Echt- und Kunsthaarprodukten auch mit speziellen afrikanischen Haarpflegemitteln gefüllt. Erweitert wird das Sortiment durch eine Auswahl exotischer Lebensmittel 

Inhaberin Marie Chantale Gouegni ist 44 Jahre alt und lebt seit 2001 in Deutschland. Deutsch hatte sie bereits in ihrem westafrikanischen Heimatland Kamerun, einer ehemaligen deutschen Kolonie, in der Schule gelernt. Ihr Haupteinkommen bestreitet sie als Pflegerin. Anstatt nach dem Schichtdienst im Krankenhaus nach Hause zu fahren, öffnet sie ihren Afroshop seit knapp sieben Jahren täglich außer sonntags. Alle zwei Jahre schließt sie den Laden für fünf Wochen, um zu ihrer Familie nach Westafrika zu reisen. Obwohl Einkommen und Freizeit nicht üppig ausfallen und auch die Mieten für Laden und Wohnung stetig steigen, ist sie mit dem Leben in Deutschland zufrieden. Schließlich habe sie ihre beiden Hobbies Krankenpflege und Flechten zum Beruf gemacht. 

Die afrikanische Haarkultur hat mittlerweile auch Eingang in Bereiche der westlichen Kultur gefunden. So ist sie zum Ausdrucksmittel einzelner Strömungen westlicher Jugend- und Musikkultur sowie verschiedener Alternativszenen geworden. Daher ist Marie Chantale Gouegnis Kundschaft divers und vereint Menschen afrikanischer und europäischer Herkunft, sowie aller Geschlechter. Ihr Angebot zeigt die Vielfalt der (Haar-)Moden und Traditionen, die in Neukölln lebendig sind.