Holznachttisch mit Tür und Auszug und zusätzlicher Ablagefläche im Bereich der Tischbeine
Nachttisch, um 1915, Mahagoni-Furnier, Kiefer, 76 x 55 x 40 cm, Leihgabe Erik Erdmann

 

Spuren der Vergangenheit in Holz:

Holzrestaurator Erik Erdmann 

Beim Restaurieren geht es nicht nur darum, alten Möbeln wieder Funktion und Stabilität zurückzugeben, die Oberflächen zu regenerieren, aufzufrischen, auf Hochglanz zu polieren und komplett originalgetreu wiederherzustellen.

Vielmehr geht es auch um die Geschichte und Spuren des Gebrauchs der Antiquitäten, die mit großem Respekt behandelt werden. Das ist die Grundhaltung, mit der Erik Erdmann an die Arbeit geht. Jedes Stück verlangt eine individuelle, dem Schaden und dessen Ursache entsprechende Restaurierungslösung. Wie ein Detektiv muss sich der Restaurator dem Wesen des Objektes nähern und auf seinen genauen Aufbau hin analysieren, bevor die eigentliche Restaurierung beginnt. Die genaue Dokumentation aller Arbeitsschritte ist dabei unerlässlich.

Der Nachttisch stammt aus dem Besitz der Urgroßeltern von Holzrestaurator Erik Erdmann und trägt die Zeichen intensiven Tabakkonsums. Sowohl der Urgroßvater als auch später der Großvater waren Zigarrenraucher. Die Stellen, wo sie ihre Zigarre abzulegen pflegten, sind noch deutlich erkennbar. 

 

Erik Erdmann, 2019, Foto: Thierry Caron

Knochenleim, Hautleim und Fischleim sind tägliches Handwerkszeug eines Holzrestaurators. Wird heute im Möbelbau synthetischer Leim eingesetzt, waren diese tierischen Klebstoffe bis ins 20. Jahrhundert hinein ein verbreitetes Mittel, um die Einzelteile eines Möbelstücks wie dieser Nachtschränkchen zu verbinden.

Es gibt verschiedene Wege in den Beruf des Restaurators. Zum einen kann auf eine klassische Ausbildung im Handwerk aufgebaut werden, es gibt aber auch den direkten Weg über das Studium. Zudem ist der Titel eines*er Restaurators*in bisher leider nicht geschützt. Erik Erdmann überbrückte die Wartezeit auf einen Studienplatz mit einer Tischlerausbildung. Der Umgang mit Massivholz und der Respekt für die traditionelle Handwerkskunst machten ihm so viel Freude, dass er nach der Ausbildung ein vierjähriges FH-Studium mit zweijährigem Vorpraktikum aufnahm. Gerade im Bereich der Restaurierung überwiegt die Arbeit mit Massivholz. Das Studium, das er mit dem Abschluss eines Diplom-Restaurators beendete, ergänzte sein Wissen um den Werkstoff Holz und um naturwissenschaftlich-theoretische Grundlagen der Chemie und Physik. Ebenso waren Kunstgeschichte und die Kenntnis der historischen Techniken und Werkstoffe zentrale Inhalte. 

Du schaffst was mit deinen Händen, du siehst am Abend, was du wirklich gemacht hast.

Erik Erdmann ist freiberuflicher Restaurator. Festanstellungen seien schwer zu bekommen und oft unterbezahlt. Er fand eine individuelle Lösung, etwa 15 Prozent seiner Aufträge sind Restaurierungsarbeiten, im Hauptgewerbe arbeitet er als Tischler. Mit Gesellenbrief und einem holzrelevanten Studium entspricht seine Qualifikation der eines Handwerksmeisters und sein Betrieb ist in der Handwerksrolle der Berliner Handwerkskammer gelistet. Auf die kostenintensive dreijährige Meisterschule konnte Erik Erdmann so verzichten. Die Selbstständigkeit als Ein-Mann-Unternehmen birgt auch Schwierigkeiten, zum Beispiel ist es nicht leicht, einen Kredit zu bekommen.  

Sehr zufrieden ist er mit den vergleichsweise günstigen Räumlichkeiten für seine Werkstatt im Handwerker und Gewerbehof Neukölln. Die Etage teilt er sich mit Zimmermann Thorsten McCarthy und zwei Steinrestauratorinnen. Die Eigentümerfamilie verfolgt das Konzept, pro Gewerk nur eine Werkstatt anzusiedeln, um direkte Konkurrenz zu vermeiden. Das zahlt sich aus. Unter den Handwerksbetrieben herrscht gutes Klima und es gibt viel gegenseitige Unterstützung. Von solchen Bedingungen können viele andere nur träumen.