Auf Rollen montiertes Baumstammsegment, in das zwei spralformige Laufbahnen für Holzmurmeln gearbeitet sind
Murmelbahn, 2017, Kirschholz, Baubuche, geölt, 96 x 29 cm (Sockel: 37 x 37 x 5 cm), Leihgabe Thorsten McCarthy

 

Thorsten McCarthy:

Der Zimmermann im Kinderzimmer 

Murmelbahnen wie diese sind in größeren Formaten immer Bestandteil der Hochetagen, die Thorsten McCarthy für Kindergärten anfertigt. Dabei schneidet er spiralförmige Kanäle mit der Kettensäge in ganze Holzstämme und arbeitet sie mit einer elektrischen Bandfeile nach. In dieser kleinen Variante können sich zwei Kugeln in zwei getrennten Rollbahnen ein Wettrennen liefern. Welche Murmel kommt wohl als erste ans Ziel?

Der selbstständige Zimmermann hat sich auf den Bau von Spielplätzen und Klettergerüsten spezialisiert. Im Winter sind es vor allem Hochbetten und Zwischenetagen, die er wetterunabhängig in Innenräumen errichtet. In Berlin macht der Mangel an bezahlbarem Wohnraum diese Option auch für Mieter*innen attraktiv. Das direkte Feedback im Umgang mit seinen meist privaten Kund*innen und die kreative Umsetzung der Kundenwünsche in ein langlebiges, im Alltag nutzbares Produkt schätzt Thorsten McCarthy sehr.

„Ich könnte mir nicht vorstellen, irgendwo im Büro zu sitzen.“  

 Nach dem Abitur war Thorsten McCarthy nicht sicher, in welche berufliche Richtung es gehen sollte. Dem Vorbild seiner Freunde folgend, die auf dem Bau arbeiteten, entschied er sich für eine Zimmermannsausbildung. Diese absolvierte er mit tarifgebundener Bezahlung an der Knobelsdorff-Schule, dem Oberstufenzentrum für Bautechnik. Unter Anleitung der erfahrenen Meister wurde von Anfang an viel Verantwortung von den Schüler*innen übernommen und besondere Projekte realisiert, wie der Bau eines kompletten Fachwerkhauses.

Thorsten McCarthy, 2019, Filmstill von Anna Caroline Arndt und Ralph Etter

Dennoch stellte Thorsten McCarthy fest, dass das Zimmern nach Plan zu wenig kreative Ausdrucksmöglichkeiten für ihn bot. Nach Abschluss der Ausbildung schrieb er sich an der Uni ein, fuhr Taxi und widmete sich als passionierter Schlagzeuger der Musik. Daneben entstanden individuelle Zimmermannsprojekte wie Skateboard-Bahnen und Kletterwände fernab der typischen Arbeiten. Die Arbeit bei einem Betrieb, der sich auf Spielplatzbau spezialisierte, war ein Wendepunkt für seinen weiteren Werdegang. Hier war Kreativität gefragt und viele verschiedene Techniken kamen zum Einsatz. Die Arbeiten waren sehr anspruchsvoll und entsprachen seinem Bild einer ausfüllenden Tätigkeit. Leider war die Bezahlung untertariflich. Oftmals wurde Personal von Zeitarbeitsfirmen beschäftigt, wurde es später übernommen, dann nur zu Bauhelferkonditionen. Heute hat sich die Bezahlung für Angestellte durch den Mangel an Handwerker*innen verbessert. 

„Zimmermann ist der richtige Beruf für mich.“ Die Selbstständigkeit als Zimmermann ist nicht einfach, da im Allgemeinen Meisterzwang für Eröffnung einer eigenen Firma besteht. Thorsten McCarthy konnte aber durch Nachweis von ausreichend Berufserfahrung, auch in leitender Tätigkeit, die Gründung eines eigenen Gewerbes nach der sogenannten Altgesellenregelung erwirken. Dafür gab es von der Arbeitsagentur eine finanzielle Anschubunterstützung und ein Kurs-Angebot zur Selbstständigkeit. Ebenso beinhaltet sie Sondertarife bei der Krankenkasse. Thorsten McCarthy ist jedoch der Überzeugung, dass es vom Staat mehr Angebote braucht, um selbstständige Handwerker*innen zu unterstützen. Die Sätze für Renten und Krankenversicherung müssten gesenkt werden auf ein Niveau, das auch Angestellte bezahlen. Auch sollte eine Krankschreibung möglich sein. Aktuell müssen Krankheitsausfälle durch ein selbst angespartes Finanzpolster ausgeglichen werden. Kleine Handwerksbetrieb wie der Ein-Mann-Betrieb von Thorsten McCarthy sollten ebenso wertgeschätzt werden wie große Industrieunternehmen, das würde sich der Zimmermann von der Politik wünschen.