Britzer Tradition seit 1885:

Die Tischlerei Wehner

Die drei Werkstücke aus der Wehner Tischlerei belegen das Wissen und die Fertigkeiten, die im Laufe der Ausbildung als Tischler*in erworben werden. Die Holzmusterplatten zeugen von der Kenntnis der verschiedenen Holzarten und ihrer Eigenschaften, etwa des Buchenholzes, das ein hartes Laubholz ist und häufig für Möbel- und Spielzeugbau eingesetzt wird. Das Eschenholz dagegen ist besonders zäh und elastisch und wird daher oft für Werkzeug und Sportgeräte wie Barren eingesetzt. Neben der Härte kommt es auch auf andere Eigenschaften wie Langlebigkeit, Stabilität, Wetterbeständigkeit oder Unterschiede in Farbe und Maserung an.

Das Zusägen und die fachgerechte Oberflächenbehandlung sind Bestandteil der Ausbildung im ersten Lehrjahr. Eine klassische Fertigkeit des Tischlerhandwerks liegt darin, zwei Holzteile stabil und ohne den Einsatz von Schrauben miteinander zu verbinden. Das Verbindungselement, das in Schwalbenschwanztechnik ausgeführt wurde, ist ein Beispiel für Lerninhalte im zweiten Lehrjahr.

Die Sitzbank schließlich ist ein komplexes, anspruchsvolles Werkstück und zeugt von den ausgereiften Fähigkeiten, die zum Ende der Ausbildung vorhanden sind. Akkurat ausgearbeitet, fachgerecht verbunden und mit perfekter Oberfläche steht sie als Beleg für eine solide handwerkliche Ausbildung.

Zwei Personen in Arbeitskleidung vor einer Tischler-Werkbank
Tischlermeisterin Nadine Matho und Richard Bensch, Filmstill von Ralph Etter und Anna Caroline Arndt

Die Wehner Tischlerei ist ein idealer Ort, um das Tischlerhandwerk zu erlernen. Der Betrieb in der Jahnstraße ist auf hochwertigen Innenausbau und Kirchenbau spezialisiert und verfügt über eine große Werkstatt mit Maschinenpark sowie einen separaten Bereich für die Möbeltischlerei. Zudem gibt es die Wehner Metallbaufirma unter dem gleichen Dach. So können Holz- und Metallbauarbeiten aus einer Hand angeboten werden. Insgesamt hat der Betrieb 26 Mitarbeiter*innen, einen Auszubildenden im Metallbau und stets drei in der Tischlerei.

„Die komplette Restaurierung einer Kirche in Chemnitz war mein Lieblingsprojekt bisher.“

Geschäftsführer Christian Hanke ist Bezirksmeister der Tischlerinnung und engagiert sich für sein Handwerk. So setzt er sich zum Beispiel für eine Vereinfachung der Vergaberichtlinien und die Nachwuchsförderung ein. Die Tischlerausbildung sei nach wie vor beliebt, berichtet er, am Ende des Tages könne man sehen, was man geleistet habe und die Zukunftsaussichten seien sehr gut.

Die heutige Spezialisierung auf Kirchenbau wird bei einem Blick in die Werkstätten schnell sichtbar: Es gibt viele Holzteile mit geschwungenen Formen in verschiedenen Größen. Zum Leistungsspektrum zählen die Neuanfertigung und Reparatur von Kirchenfenstern, Portalen, Kirchenbänken und weiteren Elementen des Innenraums. Gleichzeitig hat der Betrieb eine Expertise im hochwertigen Innenausbau von Hotels, Messezentren und öffentlichen Gebäuden, in denen moderne Materialien und innovative technische Umsetzungen gefragt sind.

Historischer Katalog G. Wehner Co., um 1912, Papier, Pappe, schwarz-weiß-Druck, 13 x 20,5 cm, Sammlung Museum Neukölln

Die Firma blickt auf eine lange, ehrwürdige Tradition zurück, die in dem vorliegenden historischen Katalog zahlreich bebildert ist. Gegründet wurde sie 1885 als Spezial-Fabrik für Gewächshausbau und war damit sehr erfolgreich. Als Hoflieferant, damals noch vor den Toren Berlins, baute die Firma Wehner beheizte Gewächshäuser aus Schmiedeeisen und Pitchpineholz. Die Bauten wurden für die Botanischen Gärten in Berlin und Breslau, den Königlichen Schlossgarten Monbijou und den Zoologischen Garten in Berlin und viele andere renommierte Auftraggeber ausgeführt. Auch die Wein- und Pfirsichhäuser in Sanssouci wurden in Britz vorgefertigt und dann per Schiff und Pferdefuhrwerk abtransportiert. Ausgezeichnet wurden die Arbeiten der Firma Wehner auf Gartenschauen um die Jahrhundertwende mit vielen goldenen Medaillen. Die noch bestehenden Gewächshäuser, wie im Botanischen Garten Berlin, werden noch immer von der Firma Wehner repariert.